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Sonntag, 18. Februar 2018

Helge Timmerberg - Die Strassen der Lebenden

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Helge Timmerbergs Geschichten machen einerseits große Lust darauf, die Welt zu entdecken. Andererseits stillen sie das Fernweh, obschon man im eigenen Bett liegt, während man sie liest.

Gemeinsam mit dem Autor war ich in den letzten Tagen und Nächten in einigen Städten unterwegs und habe besondere Momente miterleben dürfen. Besonders gefallen hat es mir in Indien, Marokko und Palermo. Oft schreibt er aber auch über Österreich, Berlin Neukölln oder Erfahrungen, die er völlig unabhängig von einem bestimmten Ort auf der Welt gemacht hat. Das hat mir gut gefallen, denn beim Reisen geht es darum, Neues zu entdecken und dazu muss man nicht immer um die halbe Welt reisen.

Helge Timmerberg ist sein ganzes Leben lang gereist, das hat mit Sicherheit sein Leben geprägt und oft haben die Geschichte einen sehr weisen und klugen Aspekt. Besonders beeindruckt hat mich seine Schilderung eines Krankenhausaufenthaltes in Wien, da hat er mir aus der Seele gesprochen:

"Was ist das Gute an einem Krankenhausaufenthalt? Ich sag´s Ihnen. Man fragt sich nicht mehr, ob man ein Gewinner oder Verlierer ist. Man fragt sich überhaupt nicht mehr, was man ist. Man hat seine Identitätsproblem überwunden. Man ist einfach nur krank im Krankenhaus. Da kennt man sich aus. Da braucht es kein schlechtes Gewissen. Kein mit sich selber Hadern, weil man Ziele nicht erreicht. Keine Beziehungsprobleme und auch keine Probleme mit der Einsamkeit. Es gibt keine offenen Fragen. Keinen Ozean der Unwissenheit. Keinen Liebeskummer und ähnlichen Scheiß. Sämtliche Gedanken, Gefühle und Aktivitäten finden im Krankenhaus ein Thema, auf das sie sich konzentrieren können. Egal, ob es ein Unfall oder eine Krankheit gewesen ist, die dich hergebracht hat, in beiden Fällen nennt man das Schicksal. Und wie man nun beginnt, dieses Schicksal zu tragen, nur darum geht es im Krankenhaus."

In Palermo erlebt er eine Beziehungskrise mit seiner Partnerin Lara und auch hier hat mich, neben der Beschreibung dieser Stadt, sein Blick auf die Beziehung und den Streit fasziniert:

"Die Liebe ist zu schön, um sie dem bösen Wolf zum Fraß vorzuwerfen, nur damit man sich wieder nach ihr sehnen darf. Ich beginne deshalb, zu überlegen, wie ich stattdessen den guten Wolf füttern kann."

Ein unbedingt lesenswertes Buch, welches mich stellenweise auch zum Lachen gebracht hat und mich mit dem Gefühl zurücklässt, von einer wundervollen Reise zurückgekehrt zu sein. 


Inhalt:

"»Reisen ist Bungee-Jumping für die Seele«: Helge Timmerberg lebte schon als globaler Nomade, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Er fand als Siebzehnjähriger in Indien zu seinem Beruf, berichtet von überall auf der Welt, geht immer aufs Ganze, probiert alles aus. Nach seiner Autobiografie »Die rote Olivetti« kehrt er mit diesem Band zurück zu Reportagen, aus denen ungebremste Neugier und Leidenschaft fürs Unterwegssein spricht: auf den Straßen, auf denen er sich lebendig fühlt - wie Barcelonas Rambla, die die Altstadt in Legal und Illegal, in Gut und Böse teilt. In Palermo schreibt er sich kräftezehrenden Liebeskummer von der Seele. In Fukushima erlebt er tiefste Demut - und in Rio einen grandiosen Filmriss. Er geht zwischen Amsterdam, Neukölln, Ostwestfalen und dem Hohen Atlas auf Heimatsuche. Und klärt die Frage, wie man ein Hotelzimmer ruck, zuck in ein Zuhause verwandelt."

Quelle: https://www.piper.de/buecher/die-strassen-der-lebenden-isbn-978-3-89029-486-5

 


Über das Buch:

 

€ 20,00 
Erschienen am 02.10.2017  
208 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-89029-486-5
Verlag: Piper Verlag