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Sonntag, 24. September 2017

Dirk Stermann - Der Junge bekommt das Gute zuletzt


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Bei der Lesung von Dirk Stermann im Dezember 2016 in München, habe ich viel gelacht, auch wenn mir das Lachen manchmal im Hals stecken geblieben ist. Unbedingt wollte ich dann auch den Teil des Buches lesen, den der Autor nicht vorgetragen hat. Scheinbar hat er sich in der Lesung für die absurden und komischen Textstellen entschieden, denn eigentlich handelt es sich um ein sehr melancholisches Buch.

Claude ist 13 Jahre alt und einsam, so einsam, dass es beim Lesen manchmal weh tut.

"Meine Eltern verwirklichten auch mein Leben. Wie plötzlich alles geschehen war! Wieso hatte ich nicht früher bemerkt, was auf mich zukam? Ich hatte mich zu sehr damit abgefunden, dass Mama ein Satelit ist, der sich in fremden Umlaufbahnen wohler fühlt. Ihr Leben ohne mich war schlüssiger...Papa wurde von seinem Hodensack dirigiert. Seine Hoden bestimmten, wie er dachte, wie er fühlte, was er sagte..."Sex ist ein Supermarkt mit vielen Regalen", sagte er einmal. Für mich war in diesem Supermarkt kein Platz."

Von seinen Eltern völlig allein gelassen und auf sich gestellt, freundet sich Claude mit einem serbischen Taxifahrer aus dem Haus an, der seinen Job nicht an den Nagel hängt, auch wenn es Tage gibt, an denen er seine Beine nicht spürt und deswegen nicht bremsen kann.

Claude verliebt sich in Minako und wie durch ein Wunder, verliebt sich Minako auch in ihn. Minako war auf einer Waldorfschule, bevor sie in seine Klasse kam. Aber sie konnte so schlecht tanzen, dass dort alle dachten, sie heisst Renate, wenn sie ihren Namen tanzte.

Dirko und Minako werden zum Familienersatz für Claude, doch er hat scheinbar einfach kein Glück, wenn es um Beziehungen geht und die Einsamkeit holt ihn immer wieder ein.

Ein absurdes, trauriges Buch, dass mich durch den schwarzen Humor dennoch immer wieder zum Lachen gebracht hat.  

 

Inhalt:

"Der Bestsellerautor und Humorist Dirk Stermann hat den traurigsten Roman der Welt geschrieben: Sein Held ist noch nicht vierzehn und schon ganz allein.
Claude ist anders als andere Dreizehnjährige; da muss man gar nicht erst seine Faszination für die Geschichte der Todesstrafe in Wien erwähnen. Sein Vater lehrt Posaune am Konservatorium, die Mutter ist Ethnologin aus Leidenschaft, und das geht so weit, bis eines Tages ein echter Indio in die Wohnung zieht. Eilig wird eine Mauer hochgezogen: Auf der einen Seite wohnt die Mutter mit Claudes Bruder und dem neuem Liebhaber, auf der anderen Claude und sein Vater. Der hat aber schnell auch eine Neue (Flötistin, Veganerin, Deutsche). Bald sind beide Parteien ausgezogen, Claude bleibt allein zurück, warum auch nicht? Überhaupt soll er weniger rumjammern, findet seine dicke Großmutter, und mehr an andere denken.
Jetzt hat Claude nur noch Taxifahrer Dirko, der ihn täglich in das Elitegymnasium fährt, wo Claude regelmäßig von den reichen Mitschülern vermöbelt wird. Dirko kommt aus Serbien, hat eine Hütte an der Donau und eine Schublade voller falscher Ausweise. Er ist mal Däne, mal Armenier und kann Geschichten erzählen ohne Ende. Wie die von dem Biologen Justin Smith, der im Selbstversuch eine Schmerzskala aller Insektenstiche erstellt hat, vom Fruchtwesplein bis hin zur furchtbaren 24-Stunden-Ameise, deren Gift einen Tag lang schmerzt wie eine Schussverletzung. Wer kann so etwas aushalten?
Irgendwann lernt Claude an seiner neuen Schule auf einem alten Donaufrachtschiff ein Mädchen kennen. Liebe erwacht. Claude und Minako machen sich daran, ihre eigene Familie zu gründen, dabei sind sie beide doch noch so jung. Ob das ohne Schmerzen abgeht?"

Quelle: https://www.rowohlt.de/hardcover/dirk-stermann-der-junge-bekommt-das-gute-zuletzt.html

Über das Buch:

Verlag:  Rowohlt
Hardvover, 19,95 €
Erscheinungstermin:  10.10.2016
224 Seiten
ISBN:  978-3-498-06438-9

 



Donnerstag, 21. September 2017

Anthony Doerr - Alles Licht, das wir nicht sehen

 

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Manchmal begegnen sich zwei Menschen nur einen ganz kurzen Augenblick in ihren Leben und dieser Augenblick wirkt sich auf das komplette Leben danach aus, auch wenn sie sich danach nie wieder sehen.

Zwei junge Menschen während des zweiten Weltkriegs, die komplett getrennt voneinander existieren und sich schliesslich einen kurzen, aber bedeutsamen Augenblick lang begegnen. Ein schicksalhafter Moment für Beide. Im kapitelweisem Wechsel erzählt das Buch die Geschichte von Marie-Laure und Werner.

Marie-Laure ist blind. Wie sie sich durch ihr Leben bewegt, ohne zu sehen, aber umso mehr zu hören, zu fühlen, zu schmecken und zu tasten, hat mir an dem Buch am besten gefallen. Anhand eines Holzmodells des Viertels lernt sie sich in den Straßen von Paris zurechtzufinden, sie hat einen Faible für Schnecken und Muscheln und erkennt sie an ihren Formen. Außerdem liebt sie Bücher, die zu dieser Zeit nur selten in Blindenschrift verfügbar waren, und somit ihre kostbarsten Schätze sind.

Werner ist ein technisch hochbegabter Waise, der alles hinterfragt und seine Fragen in einem kleinen Notizbuch aufschreibt. Seine Klugheit machen sich die Nazis zunutze. Als er von ihnen aus dem Waisenhaus geholt wird, beginnt er immer weniger zu hinterfragen und versucht nicht an seine Schwester Jutta und die gemeiname Kindheit zu denken, die von heimlichem Radiohören auf dem Dachboden geprägt war und dem Wunsch nach mehr Wissen. Mich hat die Beschreibung der Veränderung von Werner fasziniert, seine Unfähigkeit für das einzustehen, was ihm einmal wichtig war und die zunehmende Anpassung an das System.

Aufgrund der Kriegsthematik ist es sicher kein leichtes Buch, dennoch ist es eine schöne und feinsinnige Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe.


Inhalt:

 

"In seinem Roman erzählt Anthony Doerr kenntnisreich und in einer wunderschönen Sprache, kunstvoll miteinander verwoben, die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird. Unaufhaltsam treibt die Geschichte sie aufeinander zu, spannend, labyrinthisch und atemlos."

Quelle: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Alles-Licht-das-wir-nicht-sehen/Anthony-Doerr/btb-Taschenbuch/e474319.rhd



Über das Buch:


11,00
Taschenbuch, Broschur  
ISBN: 978-3-442-74985-0
Erschienen: 11.07.2016
Verlag: btb

 

Freitag, 11. August 2017

Martin Suter - Elefant





Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Was hat es denn nun mit dem rosa Elefanten auf sich?
Handelt es sich um ein geglücktes Genforschungsprojekt? Ist er ein burmesisches, heiliges Tier? Viellicht ein Haustier, welches seinem Besitzer hilft, vom Alkohol wegzukommen? Oder ist der Elefant eine Zirkusnummer, der die Menschen in den Zirkus locken soll?

Ein Genforscher will durch gezielte Manipulation einen rosa leuchtenden Elefanten erschaffen und sich damit Achtung und Ruhm in den Forscherkreisen verschaffen. Ein Obdachloser hat den kleinen Elefanten ins Herz geschlossen und füttert ihn liebevoll. Ein Elefantenflüsterer ist der festen Überzeugung, dass das Tier heilig ist. Es beginnt eine wirklich spannende und skurrile Geschichte rund um den rosa Elefanten, die sich in verschiedenen Milieus abspielt.

Martin Suter lohnt sich immer. Weil er in vielen seiner Romane eine spannende Story mit einem Thema verbindet, welches er sehr gut und genau recherchiert und in die Story einfliessen lässt. Dieses Mal widmet er sich dem Thema Gentechnologie, aber auch mit der Züricher Obdachlosenszene scheint er sich näher befasst zu haben.

Gute, spannende Unterhaltung.


Inhalt:

"Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdach­losen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden."

Quelle: http://www.diogenes.ch/leser/titel/martin-suter/elefant-9783257069709.html

 

Über das Buch:


Hardcover Leinen
352 Seiten
erschienen am 18. Januar 2017
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06970-9
€ (D) 24.00

 


Dienstag, 8. August 2017

Nathan Hill - Geister




Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Was veranlasst eine Mutter dazu ihr Kind zurückzulassen? Ist es möglich für einen inzwischen erwachsenen Mann nachzuvollziehen, warum die eigene Mutter ihm dies angetan hat, als er ein kleiner Junge war?

Samuel hat seine Kindheit und Jugend ohne jegliche Erklärung für das Verschwinden seiner Mutter verbracht. Erst als er ein erwachsener Mann ist, setzen sich die Puzzleteile auf eine spannende Art und Weise zusammen.

Die Mutter-Sohn-Beziehung ist der rote Faden des Romans. Um diesen roten Faden herum spinnt Nathan Hill lauter Geschichten mit faszinierenden Persönlichkeiten und verschiedenen gesellschaftlichen Hintergründen. Vier Jahrzehnte durchstreift er dabei. Die Friedensbewegung in Chicago Ende der 60er Jahre spielt ebenso eine Rolle, wie die aktuelle politische Lage im Jahre 2011.

Für mich war dieses Buch lesenswert wegen der vielen Leben, in die ich einen Einblick bekommen habe. Die unterschiedlichsten Charaktere sind mir in diesen 864 Seiten begegnet und der Autor beschreibt sie so, dass ich nahezu für alle von ihnen so etwas wie Verständnis entwickeln konnte.

"Denn wenn du die Menschen als Feinde, Hindernisse oder Fallen betrachtest, liegst du unablässig im Krieg mit ihnen und mit dir selbst. Siehst du sie dagegen als Rätsel, genau wie dich selbst, bringen sie dir Freude, denn am Ende, wenn du nur tief genug in sie dringst, wenn du den Deckel ihres Lebens lüftest, wirst du etwas Vertrautes finden.“

Obwohl der Autor den roten Faden des Romans immer wieder aus der Hand zu geben scheint und viele Nebenschauplätze und Geschichten erschafft, führt er am Ende alle Geschichten und Handlungsstränge zusammen. Großartig!

Inhalt:

 

"Ein Anruf der Anwaltskanzlei Rogers & Rogers verändert schlagartig das Leben des Literaturprofessors Samuel Anderson . Er, der als Kind von seiner Mutter verlassen wurde, soll nun für sie bürgen: Nach ihrem tätlichen Angriff auf einen republikanischen Präsidentschaftskandidaten verlangt man von ihm, die Integrität einer Frau zu bezeugen, die er seit mehr als zwanzig Jahren nicht gesehen hat. Ein Gedanke, der ihm zunächst völlig abwegig erscheint. Doch Samuel will auch endlich begreifen, was damals wirklich geschehen ist. - Ein allumfassender, mitreißender Roman über Liebe, Unabhängigkeit, Verrat und die lebenslange Hoffnung auf Erlösung, ein Familienroman und zugleich eine pointierte Gesellschaftsgeschichte von den Chicagoer Aufständen 1968 bis zu Occupy Wall Street."

Quelle: https://www.piper.de/buecher/geister-isbn-978-3-492-05737-0

Über das Buch:

 

Verlag: Piper
€ 25,00
Erschienen am 04.10.2016
864 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Übersetzt von: Katrin Behringer, Werner Löcher-Lawrence
ISBN: 978-3-492-05737-0

 

 

 






Sonntag, 23. Juli 2017

Ian McEwan - Nussschale


Warum es sich zu lesen lohnt:


Wie viel bekommt ein Kind im Bauch der Mutter mit, bevor es das Licht der Welt erblickt?

Trudys ungeborenes Baby bekommt so ziemlich alles mit: Den Herzschlag der Mutter, ihre Stimmung, ihre Bewegungen. Es lauscht Wort für Wort der Entstehung des Plans, den seine Mutter und deren Geliebter entwickeln, um den Kindsvater / Ehemann aus dem Weg zu räumen.  Und es ist Zeuge der leidenschaftlichen Stunden zwischen seiner Mutter und deren Liebhaber.

Außerdem handelt es sich bei dem ungeborenen Kind um einen echten Weinkenner, der soviel Wein zu trinken bekommt, dass er die Rebsorten bereits unterscheiden kann und schon einige Vorlieben entwickelt hat.

Dieses Buch war für mich aufgrund seiner Erzählperspektive lesenswert. Die Geschichte selbst hat mich weniger gefesselt. Ian McEwans geniale Sprache, sein skurriler Humor und die Tatsache, dass das Buch komplett aus der Sicht eines ungeborenes Kindes geschrieben ist, haben mich begeistert.


Inhalt:

 

"Eine klassische Konstellation: der Vater, die Mutter und der Liebhaber. Und das Kind, vor dessen Augen sich das Drama entfaltet. Aber so, wie Ian McEwan sie erzählt, hat man diese elementare Geschichte noch nie gehört. Verblüffend, verstörend, fesselnd, philosophisch – eine literarische Tour de Force von einem der größten Erzähler englischer Sprache.

Trudy betrügt ihren Ehemann. Sie wohnt nach wie vor in seinem Haus – einem heruntergekommenen Einfamilienhaus in London, das ein Vermögen wert ist –, aber ohne ihren Gatten, den Dichter und Verleger John. Stattdessen geht dort sein Bruder ein und aus, der zutiefst banale Bauunternehmer Claude. Trudy und Claude haben einen Plan. Doch ihre Intrige hat einen Zeugen: das wissbegierige, knapp neun Monate alte, ungeborene Kind in Trudys Bauch.
Von List und Leidenschaft, Verrat und Mord – ein atemberaubendes Drama, erzählt aus einer der ungewöhnlichsten Perspektiven der zeitgenössischen Literatur."

Quelle: http://www.diogenes.ch/leser/titel/ian-mcewan/nussschale-9783257069822.html 


Über das Buch:

 

Diogenes Verlag
Hardcover Leinen
288 Seiten
erschienen am 26. Oktober 2016
ISBN 978-3-257-06982-2
€ (D) 22.00


 


Sonntag, 9. Juli 2017

Claire Fuller - Eine englische Ehe

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Mir fällt es manchmal leichter, meine Gefühle niederzuschreiben, statt sie auszusprechen. Hin und wieder dient das Aufschreiben der Klärung, während ich schreibe, ordnen sich meine Gefühle und ich verstehe mich selbst ein Stück besser.

Der Romanfigur Ingrid geht es scheinbar ähnlich: Sie schreibt ihrem Mann Gil Briefe, die sie ihm jedoch nicht zu lesen gibt, sondern in seinen vielen Büchern versteckt. Diese Briefe, durch die man einen Einblick in die Liebesgeschichte von Ingrid und Gil bekommt, sind Hauptbestandteil des Romans. Durch die Briefe versteht der/die LeserIn Stück für Stück / Brief für Brief, warum Ingrid ihren Mann und ihre beiden Töchter zurückgelassen hat.

Parallel erzählt das Buch die Geschichte von Flora und Nan, den beiden Töchtern von Gil und Ingrid. Beide Frauen sind inzwischen erwachsen und verarbeiten ihre Kindheit und das Verschwinden der Mutter auf sehr unterschiedliche Weise.

Ein keines, sehr schönes, Detail des Buches, ist die Nennung der Bücher, in die Ingrid einen jeden Brief hineinsteckt. Es scheint, sie wählt die Briefverstecke mit Bedacht. Ob Gil diese Briefe je gefunden und gelesen hat, bleibt offen.

Mir hat der Roman gefallen, ganz besonders wegen der Briefe, die mich zum Teil sehr berührt haben. Eine eher leichte Lektüre für den Sommerurlaub, die mich aber durchaus gut unterhalten hat. 



Inhalt:

""Was ich liebe: Wie wir damals waren und wie wir hätten werden können."
Eigentlich hatte sie andere Pläne. Ein selbstbestimmtes Leben, Reisen, vielleicht eine Karriere als Schriftstellerin. Doch als sich Ingrid in ihren Literaturprofessor Gil Coleman verliebt und von ihm schwanger wird, wirft sie für ihn all dies über Bord. Gil liebt seine junge Frau, und dennoch betrügt er sie, lässt sie viel zu oft mit den Kindern in dem kleinen Ort an der englischen Küste allein. In ihren schlaflosen Nächten beginnt sie, Gil heimlich Briefe zu schreiben. Statt ihm ihre innersten Gedanken anzuvertrauen, steckt sie ihre Briefe in die Bücher seiner Bibliothek und verschwindet schließlich auf rätselhafte Weise. Zwölf Jahre später glaubt Gil, seine Frau wieder gesehen zu haben - und ihre gemeinsame Tochter Flora, hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, beginnt nach Antworten zu suchen, ohne zu ahnen, dass sie nur die Bücher ihres Vaters aufschlagen müsste, um sie zu erhalten ..."

 


Über das Buch: 

 

€ 22,00
Verlag: Piper
Erschienen am 01.03.2017
368 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Übersetzt von: Susanne Höbel
ISBN: 978-3-492-05791-2




Donnerstag, 15. Juni 2017

Benedict Wells - Vom Ende der Einsamkeit




Warum es sich zu lesen lohnt:


Obschon doch Geschwister in der Regel unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen,  entwickeln sie sich doch zu komplett verschiedenen Persönlichkeiten. Oft sind sie schon als Babys oder Kleinkinder völlig unterschiedlich. Für mich war dieser Roman insbesondere durch den Blick auf drei Geschwister so lesenswert.

In diesem Buch habe ich Jules, Marty und Liz in ihren ersten 40 Lebensjahren begleiten dürfen, ich habe einen Einblick in ihre Kindheit bekommen, ihre Jugend und schließlich in ihre Lebensentwürfe und Liebeskonzepte im Erwachsenenalter. Alle drei haben in ihrer Kindheit einen schweren Schicksalsschlag erfahren und immer wieder zeigt der Autor wie unterschiedlich die Geschwister damit umgehen. 

""Nun ja, man kommt auf die Welt und wird geprägt von seiner Umwelt, den Eltern, von Schicksalsschlägen, Bildung und zufälligen Erfahrungen. Irgendwann sagt man dann wie selbstverständlich: "Ich bin so und so", meint damit aber nur seine Oberfläche, sein erstes Ich.....Um sein wahres Ich zu finden, ist es notwendig, alles in Frage zu stellen, was man bei der Geburt vorgefunden hat. Manches davon auch zu verlieren, denn oft lernt man nur im Schmerz, was wirklich zu einem gehört...Es sind die Brüche, in denen man sich erkennt.""

Benedict Wells zeigt die Leben der drei Geschwister in allen Facetten.  Die Berufswahl, Familienplanung, Umgang mit Freundschaften, ihre Talente, Ängste und auch ihre Liebesbeziehungen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Marty kämpft mit diversen Zwängen, ist beruflich erfolgreich und entscheidet sich schon früh für die ruhige und sanftmütige Elena.
Liz ist eine Lebefrau, sie verdreht allen Männern den Kopf und bricht reihenweise Herzen. Ihr Leben ist exzessiv, spontan und konzeptlos.
Jules braucht Jahrzehnte um sich einzugestehen, dass er Alva liebt, die er schon seit dem Internat kennt. Er hat ein Talent für Fotografie und Sprache und es fällt ihm schwer. etwas aus diesem Talent zu machen.

Ein sehr schöner, melancholischer Roman. 



 Inhalt:

"»Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.« Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte.
Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein."

Quelle: http://www.diogenes.ch/leser/titel/benedict-wells/vom-ende-der-einsamkeit-9783257069587.html 

Über das Buch:

 

Verlag: Diogenes
Hardcover Leinen
368 Seiten
erschienen am 24. Februar 2016
ISBN 978-3-257-06958-7
€ 22.00



Montag, 12. Juni 2017

Jonathan Safran Foer - Hier bin ich


Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Jacob, Ehemann von Julia und Vater von 3 Jungs,  jongliert mit den unterschiedlichen Rollen in seinem Leben, er reflektiert und hinterfragt sie, manchmal hadert er auch mit ihnen. Der aufrichtige Wunsch allen Rollen gerecht zu werden und die Frage nach dem Sinn ziehen sich durch das ganze Buch hindurch.

"Er war ein Vater für seine Söhne, ein Sohn für seinen Vater, ein Ehemann für seine Frau, ein Freund für seine Freunde, aber wer war er für sich selbst?" 
Herausstechend an diesem Roman sind die Dialoge zwischen den Familienmitgliedern. Jacobs und Julias drei Söhne sind derart schlagfertig und klug, dass man den anspruchsvollen Wortwechsel einfach gerne folgt - manchmal amüsiert, manchmal emotional ergriffen. Jacob und Julia sind in den letzten Zügen ihrer Ehe und hadern mit dem Entschluss der Trennung. Jonathan Safran Foer beschreibt auf eine sehr bewegende und emotionale Weise ein Paar im Trennungsprozess.
"Gehen wir zu Bett. Diese vier Worte unterscheiden eine Ehe von jeder anderen Beziehung. Wir finden keinen gemeinsamen Nenner, aber lass uns zu Bett gehen. Nicht weil wir es tun möchten, sondern weil wir es tun müssen. Wir hassen einander gerade, aber lass uns zu Bett gehen...Jeder zieht sich in sich selbst zurück, doch man tut es gemeinsam."
Neben dem familiären Handlungsstrang greift der Autor auch politische Themen auf. Man erhält einen Einblick in das Leben der in den USA lebenden Juden und schließlich kommt es neben dem großen Familienkonflikt auch zu einem politischen Konflikt im Nahen Osten, der sich auf die Familie auswirkt.

Ein intellektuell anspruchsvoller Roman.

Inhalt:

 

"Wie können wir all die Rollen, die wir zu spielen haben, glaubhaft unter einen Hut bekommen? Wie gleichzeitig Sohn, Vater und Ehemann sein? Oder Mutter, Ehefrau und Geliebte? Erwachsener und Kind? Oder gar Amerikaner und Jude? Wie können wir wir selbst sein, wenn unser Leben doch so eng mit allen anderen verbunden ist? Diese Fragen stehen im Zentrum von Jonathan Safran Foers erstem Roman seit elf Jahren.
»Hier bin ich« erzählt von vier turbulenten Wochen im Leben einer Familie in tiefer Krise. Julia und Jacob haben sich auseinandergelebt, doch wie könnten sie sich trennen, ohne dass ihre drei Söhne darunter leiden oder gar sie selbst? Immer wieder diskutieren sie alle Szenarien durch, kümmern sich aufopferungsvoll um den inkontinenten Hund und die bevorstehende Bar Mitzwa des ältesten Sohns. Gerade als die israelische Verwandtschaft zur Familienfeier in Washington, D.C. eintrifft, ereignet sich ein katastrophales Erdbeben im Nahen Osten, das die Invasion Israels zur Folge hat. Die Fragen »Was ist Heimat? Was bedeutet Zuhause?« stellen sich noch einmal ganz neu, auch für Jacob.
Jonathan Safran Foer schreibt sich mit seinem dritten Roman endgültig in den Olymp der amerikanischen Literatur"

Quelle: http://www.kiwi-verlag.de/buch/hier-bin-ich/978-3-462-04877-3/

 

Über das Buch:

 

Verlag: Kiepenheuer&Witsch
Titel der Originalausgabe: Here I Am
Aus dem amerikanischen Englisch von Henning Ahrens
ISBN: 978-3-462-04877-3
Erschienen am: 10.11.2016
688 Seiten, gebunden mit SU
26,00 €

Sonntag, 28. Mai 2017

Lena Andersson - Unvollkommene Verbindlichkeiten




Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Erneut lässt mich Lena Andersson eine Liebesgeschichte von Ester miterleben, bei der ich Ester hin und wieder am liebsten gepackt und geschüttelt hätte, um sie zur Einsicht zu bringen, weil sie sich erneut einen Mann ausgesucht hat, der ihr nicht zu geben vermag, was sie sich so sehr wünscht. Dieses Mal ist Esters Wahl auf einen verheirateten Mann gefallen. Ich bin sicher: Mein Schütteln hätte nichts geholfen.

Ester ist eine Meisterin der Interpretation und sie interpretiert Olofs Verhalten stets so, dass es Hoffnung auf Erwiderung der Liebe und Trennung von der Ehefrau gibt. Sie hält sich bereit, steht zur Verfügung, wenn Olof es wünscht und steckt immer wieder aufs Neue Verletzungen, Zurückweisungen und Demütigungen ein. Ihr dabei zuzusehen ist schwer auszuhalten.
"Sie liebte Olof nicht, weil er sie wie den letzten Dreck behandelte, sondern weil es wunderschön war, wenn er das nicht tat. Es war der Kontrast, der explosiv wirkte."
Olof sagt Ester immer wieder, dass er sich nie von seiner Ehefrau trennen wird und er und sie keine Beziehung miteinander haben. Dennoch macht er ihr immer wieder auf eine verquere Art Hoffnungen.

"Wie so viele andere konnte er es nicht ertragen, das zu verlieren, was er gar nicht haben wollte."
Es war nicht das Thema Dreiecksbeziehung, was mich an diesem Buch so fasziniert hat, es war die Sprache.

"Genaue Abmachungen sind der Schutz des schwächeren Teils, der stärkere will sich alles offenhalten, falls die Lust plötzlich ihre Richtung ändert. Schwach ist der Teil, der zu viel will, stark ist der, dem es mehr oder weniger egal ist."

Lena Andersson bringt das Liebesdilemma mal wieder schonungslos auf den Punkt und obwohl ich immer wieder den Kopf geschüttelt habe über Esters und Olofs Verhalten, so gab es doch auch kurze Momente des Verständnisses - für Beide.


Inhalt:

""Olof und Ester waren wie zwei Zahnräder. Zahnräder verwachsen nicht miteinander. Sie treiben einander lediglich an. Leider funktioniert das Ganze auch mit drei Zahnrädern, rein mechanisch geht das sogar hervorragend."

Nichts ist komplizierter als die Beziehung zwischen Mann und Frau. Das muss auch Ester Nilssons feststellen, Mitte dreißig und von Beruf Journalistin und Dichterin. Fünf Jahre sind vergangen seit ihrer unglücklichen Liebesbeziehung mit dem Künstler Hugo Rask, und Ester hat sich vorgenommen, dass ihr so etwas nie mehr passieren wird: einen Mann zu lieben, der sich nicht festlegen und ganz zu ihr bekennen will. Dann trifft sie bei einer Theaterprobe den Schauspieler Olof und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Olof macht kein Geheimnis daraus, dass er verheiratet ist. Trotzdem trifft er Ester. Die beiden gehen eine Beziehung ein, von der Olof behauptet, es sei keine. Er hat schließlich nicht vor, seine Frau zu verlassen. Also worauf wartet Ester?" 
Quelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Unvollkommene-Verbindlichkeiten/Lena-Andersson/Luchterhand-Literaturverlag/e505705.rhd

 

Über das Buch: 

 

18,00
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag 
ISBN: 978-3-630-87524-8
Erschienen: 10.04.2017
Verlag: Luchterhand




Montag, 22. Mai 2017

Valentina Cebeni - Die Zitronenschwestern

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Das Buch führte mich nach Italien auf eine kleine Insel. Dort habe ich Elettra auf der Suche nach ihrer Vergangenheit begleitet.  Die Handlung rankt sich um ein Kloster auf der Insel und seine Geschichte. Die Schicksale sind miteinander verwoben und dennoch war die Story für mich recht vorhersehbar und an manchen Stellen ein wenig zu kitschig.

Was mir an dem Buch jedoch sehr gefallen hat, waren die sinnlichen Beschreibungen der Zubereitung von Brot und Gebäck. Focaccine mit Äpfeln, Amarettini und Guelfi - nicht selten hatte ich während des Lesens den Wunsch diese Köstlichkeiten auf der Stelle selbst zuzubereiten und noch viel mehr Lust sie zu probieren. Wie gut, dass das Buch ein paar der Rezepte enthält.

Ein leichter Sommerroman, der mich gut unterhalten hat.

Inhalt:

"Elettras früheste Kindheitserinnerung ist der Duft von Anisbrötchen. Ihre Mutter war eine begnadete Bäckerin, deren Köstlichkeiten direkt den Weg zum Herzen der Menschen fanden. Doch seit sie schwer erkrankt ist, steuert die Bäckerei der Familie auf den Bankrott zu. Und Elettra ist ganz auf sich allein gestellt, denn sie erfuhr nie, wer ihr Vater ist. Als sie von einer kleinen Insel im Mittelmeer hört, auf der ihre Mutter die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht haben soll, reist sie kurz entschlossen dorthin. Inmitten von Zitronenhainen stößt sie auf ein verlassenes Kloster, das eine alte Liebe verbirgt – und vielleicht das große Glück."
 Quelle: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Die-Zitronenschwestern/Valentina-Cebeni/Penguin/e497071.rhd

Über das Buch:

 
Preis: 10,00   
Taschenbuch, Klappenbroschur   
ISBN: 978-3-328-10040-9 
Verlagn: Penguin  

Freitag, 19. Mai 2017

Gerhard Jäger - Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

 

Warum es sich zu lesen lohnt: 

 

Das Buch führte mich in ein Tiroler Bergdorf mit seinen kauzigen BewohnerInnen. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, in den 50er Jahren und heute. Immer wieder werden aber auch Ausflüge in die noch ältere Vergangenheit unternommen und alte Sagen und Mythen zum Leben erweckt.

Gerhard Jäger gelingt es mit einer beeindruckenden Sprache ein Bild von diesem Dorf zu erschaffen. Eine geschlossene Welt in sich, mit eigenen Regeln und Gesetzen. Mich hat diese Welt fasziniert, in der man von der Natur und ihrer Gewalt abhängig ist und dies häufiger und unmittelbarer zu spüren bekommt, als wir es hier und heute gewohnt sind.

Durch die Schneemassen, die das Dorf eines Winters ereilen, legt sich eine bedrohliche und angespannte Stimmung über das Bergdorf. Gerhard Jäger beherrscht eine so bildhafte Sprache, dass die Stimmung für mich als Leserin spürbar wurde.

Die Geschichte des Buches ist spannend, zu lesen lohnt es sich jedoch in erster Linie wegen der Sprache des Autors. Ich hatte beim Lesen hin und wieder Gemälde vor Augen, die er mit seinen Worten erschaffen hat.

Ich sehe eine Frau mit einem roten Schultertuch und einem Weidenkorb in der Hand, die in der Dämmerung im Schnee steht. Ich sehe das Vieh im Stall, unruhig mit den Hufen scharrend, die Ohren gespitzt vom Donner der Lawinen. Dieses Buch war für mich eher ein imaginärer Bildband als ein Roman.


Inhalt:


"Ein sprachgewaltiger Roman über eine unerfüllte Liebe, einen ungeklärten Mord und eine spannende Spurensuche.

Im Herbst 1950 kommt der junge Wiener Historiker Max Schreiber in ein Tiroler Bergdorf, um einem alten Geheimnis auf den Grund zu gehen. Konfrontiert mit der archaischen Bergwelt und der misstrauischen Dorfgemeinschaft , fühlt er sich mehr und mehr isoliert. In seiner Einsamkeit verliert er sich in der Liebe zu einer jungen Frau, um die jedoch auch ein anderer wirbt. Als ein Bauer unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt, ein Stall lichterloh brennt und der Winter mit ungeheurer Wucht und tödlichen Lawinen über das Dorf hereinbricht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Schreiber gerät unter Mordverdacht und verschwindet spurlos – nur seine Aufzeichnungen bleiben zurück.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später will ein alter Mann endlich die Wahrheit wissen. Von seinen eigenen Schatten verfolgt, begibt er sich auf Spurensuche in die Vergangenheit.

Raffiniert, voller Rhythmus und Poesie erzählt Gerhard Jäger von der Magie, aber auch von der Brutalität eines Ortes, der aus Raum und Zeit gefallen scheint."

Quelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Der-Schnee,-das-Feuer,-die-Schuld-und-der-Tod/Gerhard-Jaeger/Blessing/e502067.rhd 

Über das Buch:  

 

€ 22,99
ISBN: 978-3-89667-571-2
Erschienen: 26.09.2016
Blessing Verlag

Samstag, 13. Mai 2017

Cynthia D`Aprix Sweeney - Das Nest



Warum es sich zu lesen lohnt:


Leo - Lebemann mit Drogenfaible.
Beatrice - Schriftstellerin mit Schreibblockade.
Jack - Antiquitätenhändler mit Liquidiätsproblem.
Melody - Mutter mit Kontrollwahn. 

Vier Geschwister um die 40, die in New York leben. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein und doch haben sie Eines gemeinsam: Sie haben alle damit gerechnet in absehbarer Zeit eine beträchtliche Summe Geld zu erben. Alle hatten ihre Lebensentwürfe auf diese Tatsache gebaut und das Erbe eingeplant und nun bleibt der Geldsegen aus. Und das, weil ausgerechnet Leo wieder einmal richtig Scheiße gebaut hat.

Eine bitterböse Familiengeschichte. Familie Plumb hat mich glänzend unterhalten und ich habe dabei den ironischen Unterton und den Humor der Autorin sehr genossen.

 

Inhalt:

 

"Melody, Jack, Bea und Leo sind Geschwister. Sie sind in ihren Vierzigern, stehen mitten im Leben und sie haben immer gewusst, sie würden eines Tages erben. Aber was, wenn die Erbschaft ausbleibt? Ein warmherziger, humorvoller und scharfsinniger Roman darüber, wie der Kampf ums Geld Lebensentwürfe und Familien durcheinanderbringen kann."

Quelle: https://www.klett-cotta.de/buch/Gegenwartsliteratur/Das_Nest/74705

 

Über das Buch:

 

Klett-Cotta Verlag, Suttgart 2016
ISBN 9783608980004
Gebunden, 416 Seiten, 19,95 EUR 

 


Mittwoch, 3. Mai 2017

Liane Moriarty - Tausend kleine Lügen

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Besonders bei meinen Besuchen in Kalifornien sind sie mir aufgefallen: Diese nach außen perfekten Familien, die ihre (natürlich hochbegabten) Kinder morgens in die Schule bringen und sich gegenseitig vormachen, wie perfekt ihre Leben doch sind. Die Mütter scheinen immer voller Energie zu sein, sehen schon frühmorgens umwerfend aus und sprechen mit einer flötenden Stimme und einem Dauerlächeln im Gesicht, welches ihre wunderschönen Zähne zeigt. Sobald die Kinder in der Schule abgegeben sind, gehen sie sehr wichtigen Dingen nach. Manchmal sind es erfolgreiche Jobs, oft aber auch das tägliche Sportprogramm oder diverse Wohltätigkeitsveranstaltungen. Aber was sie auch immer tun, es bleibt viel Zeit um die Förderung der Kinder zur Lebensaufgabe zu machen und am besten jeden ihrer Entwicklungsschritte zu überwachen:

""Die Eltern sind wahrscheinlich diejenigen, die den größten Wirbel machen, stimmt´s?....Heutzutage sind die Eltern viel zu sehr auf ihre Kinder fixiert. Wohlwollende Gleichgültigkeit, so wie in der guten alten Zeit, das fehlt."" 

In der australischen Kleinstadt am Meer lauern bei Celeste, Madeleine, Jane und ihren Familien einige Geheimnisse im Verborgenen. Ein Mobbingfall an der Schule, häusliche Gewalt,  Janes Vergangenheit und Madaleines Tochter Abigail, die mit einer zweifelhaften Aktion Amnesty International unterstützen möchte, sorgen für das Bröckeln der Fassaden.

Das Buch ist leicht zu lesen und baut Spannung auf. Bereits zu Beginn ist klar, dass ein Mord geschehen ist, der sich nach und nach aufklärt. Mir hat jedoch am Besten die sehr zynische Beschreibung der Vorschuleltern gefallen. Definitv eine unterhaltsame Lektüre.


Inhalt: 

"Jane flieht vor ihrer Vergangenheit. Sie hat es seit der Geburt ihres Sohnes vor fünf Jahren nirgendwo länger ausgehalten. Nun ist sie im idyllischen australischen Küstenstädtchen Pirriwee gestrandet und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Schnell schließt sie Freundschaft mit der lebhaften Madeline und der wunderschönen Celeste. Doch plötzlich geraten die drei Frauen in den Strudel von dunklen Geheimnissen, Lügen und Intrigen. Als dann bei einem Elternschulfest ein Mann tödlich verunglückt, stellt sich die Frage: War es ein wirklich nur ein Unfall?"

Quelle: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/beziehungsromane/tausend-kleine-luegen/id_3342491

 

Über das Buch: 

 

Verlag: Bastei Lübbe
16,99 € 
Paperback
496 Seiten
ISBN: 978-3-404-17293-1
Ersterscheinung: 14.01.2016

Sonntag, 30. April 2017

Thees Uhlmann - Sophia, der Tod und ich

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Ein Buch über den Tod. Ich habe dennoch viel gelacht.

Der Tod sieht aus wie ein Mensch und verhält sich bis auf ein paar Ausnahmen auch so. Eigentlich bleiben dem ziemlich depressiven Altenpfleger nur 3 Minuten mit dem Tod, aber dann ergibt es sich, dass die Beiden 2 Tage und Nächte zusammen verbringen. Eine makabere Reise voller herrlich skurriler Situationen beginnt. Der Tod lernt zu fluchen und der Altenpfleger begreift in diesen Tagen mehr über sein Leben als je zuvor.

"Und wenn glückliche Momente selten sind, erinnert man sich umso stärker an sie, dachte ich auf der Straße zwischen Sophia und dem Tod. Ich fragte mich, ob das nicht sogar besser war, als ewiges Glück." 
Er besucht seine Mutter und taucht noch einmal ein, in die kleinbürgerliche Welt, in der er aufgewachsen ist. An seiner Seite der Tod und seine Exfreundin Sophia, eine polnische Schönheit, mit der er von einem seiner Altenheimpatienten verkuppelt wurde.
"Sophia war mit einer Wucht in mein Leben getreten, die ich bis dahin nicht gekannt hatte. Sie war wie ein unvergessliches Fußballspiel, bei dem das Ergebnis egal war. Hauptsache, man war dabei gewesen."
Lesenswert ist das Buch für mich hauptsächlich wegen der  Dialoge zwischen Erzähler und  Tod - hier geht es um die großen Fragen, oft flapsig und humorvoll aber trotzdem philosophisch und manchmal tief berührend. Sprachlich großartig.

Inhalt:

"Der Tod gibt sich die Ehre und bringt Leben in die Bude
Im Debütroman des Musikers Thees Uhlmann geht es ums Ganze. Der Tod klingelt an der Tür. Aber statt den Erzähler ex und hopp ins Jenseits zu befördern, gibt es ein rasantes Nachspiel. Ein temporeicher, hochkomischer, berührender Roman über die wirklich wichtigen Fragen des Lebens.
Vor der Tür des Erzählers steht ein Mann, der ihm ähnlich sieht und behauptet, er sei der Tod und wolle ihn mitnehmen. Er habe noch ungefähr drei Minuten zu leben. Zwischen den beiden entspinnt sich eine absurd-witzige Diskussion, in der es um Kopf und Kragen, um die Insel Juist, den Lakritzgeschmack von Asphalt und das depressive Jobprofil des Todes geht. Zu seiner Verwunderung gelingt es dem Tod nicht, den Erzähler sterben zu lassen. Ein spektakulärer Roadtrip beginnt. Gemeinsam mit seiner Exfreundin Sophia und dem Tod macht sich der Erzähler auf den Weg zu seiner Mutter und zu seinem sieben Jahre alten Sohn, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat, dem er aber Tag für Tag eine Postkarte schreibt.
Es geht auf eine Reise zwischen Himmel und Hölle – und um die Frage, ob es das alles überhaupt gibt. Eine Reise, die geprägt ist durch die Tollpatschigkeit, mit der sich der Tod durch die Welt der Lebenden bewegt, und Fragen wie: Muss der Tod pinkeln? Und wenn ja, wie macht er das? – Und die große Frage, was denn besser ist, »to burn out or to fade away«.
»Sophia, der Tod und ich« ist eine irrsinnig lustige, berührende Suada, druck- und kraftvoll in jeder Zeile. Man liest, lacht, zerfließt in Melancholie und birst vor Freude, dass man noch am Leben ist."

Quelle: http://www.kiwi-verlag.de/buch/sophia-der-tod-und-ich/978-3-462-04793-6/

Über das Buch: 

 

Kiepenheuer&Witsch
ISBN: 978-3-462-04793-6
Erschienen am: 08.10.2015
320 Seiten, gebunden
Preis 18,99 €

Sonntag, 9. April 2017

Hanya Yanagihara - Ein wenig Leben

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Mehrmals habe ich dieses Buch beiseite gelegt, manchmal wurde der Kloß im Hals einfach unerträglich oder ich war so ergriffen, dass mir die Tränen kamen. Ich habe mir ein paar Mal die Frage gestellt, ob ich mir das wirklich antun möchte weitere zighundert Seiten mit Malcolm, Jude, JB und William zu verbringen.

Das Buch erzählt von der Freundschaft der vier Männer, beginnend in der Highschool und endend ca. 30 Jahre später. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Jude und seine schreckliche Kindheit und Jugend, über die es ihm nicht gelingt mit seinen Freunden  zu sprechen. Die Schilderungen seiner Kinderheitserfahrungen sind düster und grausam. Seine Selbstverletzungen und sein selbstzerstörerisches Verhalten werden zum Teil so qualvoll beschrieben, dass ich Textpassagen überspringen musste. Definitiv ein Buch, für das man emotional stabil sein sollte.

Fasziniert hat mich die Freudschaft der Vier im Verlauf des Lebens. Das Ringen um Vertrauen und Liebe. Die Veränderungen, die sie alle durchmachen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden und wie sich diese Veränderungen auf ihre innige Freundschaft auswirken.

"Seine anhaltende Nostalgie deprimierte ihn, machte ihn älter, und er konnte nicht umhin zu denken, dass die glorreichsten Jahre, die Jahre, in denen alles aussah wie mit Leuchtfarbe gemalt, vorüber waren. Damals waren alle so viel unterhaltsamer gewesen. Was war nur passiert?
Das Alter, nahm er an. Jobs, Geld, Kinder. Die Dinge, die den Tod auf Abstand hielten, mit denen man die eigene Relevanz untermauerte, die Trost spendeten und Zusammenhang und Bedeutung stifteten. Der von Biologie und Konvention diktierte Marsch voran, dem sich selbst unangepasste Geister nicht entziehen konnten."
Es waren Textstellen wie diese, die mich das Buch haben zu Ende lesen lassen. Kloß im Hals hin oder her. 


Inhalt:

"Sie werden über dieses Buch sprechen wollen: "Ein wenig Leben" ist ein unvergleichlich mutiger Roman über Freundschaft als wahre Liebe.

"Ein wenig Leben" handelt von der lebenslangen Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis, brillant und enigmatisch, ist die charismatische Figur im Zentrum der Gruppe – ein aufopfernd liebender und zugleich innerlich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes dunkle, schmerzhafte Welt hineingesogen, deren Ungeheuer nach und nach hervortreten. "Ein wenig Leben" ist ein rauschhaftes, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzähltes Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft als wahre Liebe. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch."

Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/ein-wenig-leben/978-3-446-25471-8/

Über das Buch:

 

Roman übersetzt von Stephan Kleiner
Erscheinungsdatum: 30.01.2017
960 Seiten
Verlag: Hanser Berlin
ISBN 978-3-446-25471-8
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-25558-6 

Donnerstag, 16. März 2017

Anna Quindlen - Ein Jahr auf dem Land







Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Hin und wieder muss man sich neu erfinden, sich fragen, ob die Schuhe die man trägt eigentlich noch passen. Ob die Überzeugungen noch gelten, die man seit Jahren wie selbstverständlich vertritt. Ob es noch das Leben ist, das man leben möchte.

Nicht selten bescheren besondere Umstände uns die Notwendigkeit, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

Für die Fotografin Rebecca wird ihr Jahr auf dem Land zum Anlass sich neu zu erfinden. Sie muss aus finanziellen Gründen für eine Weile raus aus der Großstadt und findet sich in einem sehr einfachen Landhaus wieder. Plötzlich ist da ein Waschbär auf dem Dachboden und ein Hund, der beschlossen hat, bei ihr zu leben. Dabei ist sie doch eigentlich gar kein Hundemensch.

Ihr Leben dort hat so gut wie nichts mehr mit dem Leben in New York zu tun und auch ihr Blick auf die Fotografie und die Motive ändert sich.

Anna Quindlen hat eine leichte und erfrischende Sprache in ihrem Roman. Die Erfahrungen, die ihre Protagnoistin Rebecca fernab ihres eigentlichen Wohnsitzes in New York macht, sind so lebendig und bunt beschrieben, dass ich mir das alte Haus, das Cafe mit den besten Scones und die Wälder in der Umgebung wunderbar vorstellen konnte.

Was für ein beruhigendes Gefühl es doch immer wieder ist, dass das Leben uns manchmal einen Schubs gibt, um uns zu hinterfragen und uns neu zu erfinden. Und wie schön, wenn man in Büchern anderen Menschen dabei zusehen darf, wie sie diese Aufgabe meistern.

Inhalt:

"Was im Leben am meisten zählt

Rebecca Winter steht an einem Wendepunkt: Von ihrem Mann ist sie geschieden, für ihren erwachsenen Sohn nicht mehr unentbehrlich, und als Künstlerin hat sie längst ihren Zenit überschritten. Jahrelang lebte die berühmte Fotografin sorglos von den üppigen Einkünften eines Schnappschusses. Aber nun ist der Geldstrom versiegt. Notgedrungen beschließt sie, ihr New Yorker Apartment zu vermieten und für ein Jahr in ein kleines Haus fernab der Stadt zu ziehen. Der unfreiwillige Landaufenthalt ist kein Spaziergang im Central Park – und doch beschert er Rebecca eine unverhoffte Liebe, neue Inspiration und den Mut, unbekannte Wege zu beschreiten ...

In »Ein Jahr auf dem Land« zeigt sich Anna Quindlen auf der Höhe ihrer Kunst. Schon ihre früheren Romane überzeugten durch Wärme und Intellekt, doch dieser – so die New York Times – »glänzt darüber hinaus noch mit Humor und Prägnanz«. Ein klug unterhaltender Roman, ein Plädoyer dafür, sein Leben in die Hand zu nehmen und sich immer wieder neu zu erfinden."
Quelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Ein-Jahr-auf-dem-Land/Anna-Quindlen/DVA-Belletristik/e467822.rhd 

Über das Buch: 

 

€ 19,99 
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-421-04666-6
Erschienen: 02.03.2015


Freitag, 3. März 2017

Bradley Somer - Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel



Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Wenn aus dem Haus in dem Du wohnst vom obersten Stockwerk ein Goldfisch fällt, was wird er sehen, wenn er an deiner Wohnung vorbeifliegt?

Der mutige Goldfisch Ian darf bei seinem Fall aus dem 27ten Stock einen Blick in die Wohnungen erhaschen, die er im Flug passiert und lässt uns LeserInnen teilhaben an dem, was er sieht. Es sind die Beobachtungen eines Goldfischs über die Bewohner des Hauses in der Roxy Street, ihre Lebensgeschichten, die dieses Buch so wunderbar machen. 

Petunia Deliah bekommt ein Baby in der Wohnung von Claire, die sich seit Jahren nicht mehr aus ihrer Wohnung traut und einen Hygienefimmel hat. Gebursthelfer ist ein kleiner Junge, der dazu neigt in Ohnmacht zu fallen und dessen Großvater gerade verstorben ist. Garth trägt mit großer Freude Frauenkleider, nicht weil er eine Frau sein möchte, sondern weil er es liebt sich hübsch zu machen. Connor entdeckt zu spät, dass er Katie über alles liebt und schleunigst damit aufhören sollte mit Faye ins Bett zu gehen. Und Jimenenz repariert nicht nur zur tropfende Wasserhähne sondern auch den Aufzug, obschon er das eigentlich nicht kann.

Und weil der Aufzug kaputt ist, müssen die Bewohner des Hauses die Treppe nutzen und dieser Umstand führt zu einer Reihe von Begebenheiten, die sonst nicht geschehen wären. Zufall? Immer wieder bringt der Autor philosophische Gedanken in seinen Roman ein, ein Grund mehr für mich das Buch zu mögen:
"Alles geschieht aus einem Grund. Manchmal aufgrund einer Entscheidung, manchmal aufgrund eines glücklichen Zufalls, machmal durch göttliches Zutun. Aber es ist egal, denn das Leben geht einfach weiter. Alles geschieht aus einem Grund, doch meist ist dieser Grund ohne den Vorzug des Rückblicks nicht klar erkennbar."
Welch ein Glück, dass Ian den Sprung aus dem Fischglas  gewagt hat und so dieses schöne Buch entstanden ist.

Inhalt:

"Wer sein Leben in einem Goldfischglas fristet, wird als alter Fisch sterben, der nie ein Abenteuer erlebt hat.

Goldfisch Ian fällt. Aus dem 27. Stock. Auf seinem Weg nach unten fliegen die Fenster des Hochhauses an ihm vorbei – und mit ihnen die Geschichten der Menschen, die dahinter wohnen. Während Ian immer schneller auf den Bürgersteig zurast, fiebern wir nicht nur mit ihm mit, sondern erhaschen gemeinsam mit ihm einen Blick auf die Schicksale dieser Menschen. Ein Leben wird dabei beginnen, eines enden, und am Schluss begreifen wir, dass das Glas, das uns vom Rest der Welt trennt, zerbrechlicher ist, als wir oft glauben. Dann wird auch klar, warum Ian eigentlich fällt – und was passiert, wenn er landet.
In ›Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel‹ geht es buchstäblich um Leben und Tod. Bradley Somer klappt das Haus in der Roxy Street auf wie eine Puppenstube und erweckt die Figuren darin auf wunderbar liebe-volle, spielerische und humorvolle Weise zum Leben. Ein Buch, so glanzvoll und schillernd wie ein Goldfisch – oder wie das Leben selbst."

Quelle: http://www.dumont-buchverlag.de/buch/tb-somer-der-tag-an-dem-der-goldfisch-9783832163600/

Über das Buch:


320 Seiten, Bedruckte Umschlaginnenseiten
Verlag: Dumont, Originalverlag: St. Martin’s Press, 2015, Originaltitel: Fishbowl
Erstmals im Taschenbuch
Erscheinungstag: 15.08.2016
ISBN 978-3-8321-6360-0

 



Sonntag, 26. Februar 2017

Andreas Eschbach - Eine Billion Dollar

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Kann man mit Geld die Welt retten? Und wenn ja, wie könnte das gehen?

Mit dieser Frage und John Salvatore Fontanelli habe ich diesen Monat wirklich jede freie Leseminute verbracht. Über 893 Buchseiten / 1720 Hörbuchminuten begleitete ich ihn auf seiner Suche nach dem richtigen Weg zur Erfüllung der Prophezeiung. Eine fiktive, spannende Geschichte, die mit gut recherchiertem Wissen glänzt.

Wissen über Finanzwesen, Betriebs- und Volkswirtschaft. Nicht gerade meine Lieblingsthemen und dennoch habe ich das Buch verschlungen und dabei, fast nebenbei, einige Zusammehänge verstanden.

Die Romanfigur John Salvatore Fontanelli hat eine Billion Dollar zur Verfügung und soll den Menschen ihre verlorene Zukunft wiedergeben. Viele Ideen werden dabei durchgespielt, es geht um Macht und Ohnmacht und um Gier und Gerechtigkeit.

John lernt verarmte Fischer auf den Philippinen kennen und versteht, warum sie keine andere Wahl haben, als mit Dynamit zu fischen. Er kauft sich Anteile von den mächtigsten Firmen der Welt, gründet eine eigene Bank und begreift irgendwann,  dass ihm zwar nahezu die ganze Welt gehört, er aber dennoch eine Entscheidung treffen muss, was er mit dieser Macht anfangen möchte.

Und plötzlich ertappte ich mich dabei, in der U Bahn oder im Cafe darüber nachzudenken, ob die Investition in Umweltschutzprojekte, Geburtenkontrolle oder doch lieber die Versteuerung der Rohstoffe eine Lösung wäre.

Und wieder einmal habe ich festgestellt: Es sind genau solche Bücher, die ich mag. Solche, die mich zum Denken anregen und das bisher Gedachte auf den Kopf stellen.

Inhalt:

"Stell dir vor, du wirst über Nacht zum reichsten Menschen der Welt...
John Salvatore Fontanelli ist ein armer Schlucker, bis er eine unglaubliche Erbschaft macht: ein Vermögen, das ein entfernter Vorfahr im 16. Jahrhundert hinterlassen hat und das durch Zins und Zinseszins in fast 500 Jahren auf über eine Billion Dollar angewachsen ist. Der Erbe dieses Vermögens, so heißt es im Testament, werde einst der Menschheit die verlorene Zukunft wiedergeben. John tritt das Erbe an. Er legt sich Leibwächter zu, verhandelt mit Ministern und Kardinälen. Die schönsten Frauen liegen ihm zu Füßen. Aber kann er noch jemandem trauen? Und dann erhält er einen Anruf von einem geheimnisvollen Fremden, der zu wissen behauptet, was es mit dem Erbe auf sich hat ...
Mit „Eine Billion Dollar“ hat Bestsellerautor Andreas Eschbach einen spannenden Thriller über  Moral und Habgier geschrieben."
Quelle: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/thriller/eine-billion-dollar/id_3231631

Über das Buch:

 

9,99
              
Bastei Lübbe
Taschenbuch
893 Seiten
ISBN: 978-3-404-15040-3
Ersterscheinung: 21.10.2003

 


Sonntag, 29. Januar 2017

Christine Grän - Dame sticht Bube

 

Warum es sich zu lesen lohnt:

 

Wie wird man zu dem Menschen, der man heute ist? Welche Rolle spielt dabei die eigene Vergangenheit und das Erlebte?

In diesem Buch wechseln sich Vergangenheit und Gegenwart kapitelweise ab. Durch diese Erzählweise erfährt man etwas darüber, wie die Gerichtsmedizinerin Dr. Eva Röhm zu der wurde, die sie ist.
"Mich selbst zu lieben, war mir wohl nie ganz gelungen. Der Versuch, meine Gefühle auf andere zu übertragen, war gescheitert. Ich war allein. Vermutlich waren es alle, doch wie ließ sich in dem menschlichen Gebäude von Täuschungen und Selbsttäuschungen, von Verstellung und Lüge der kleinste gemeinsame Nenner erkennen? Es gab keine Vernünftige Erklärung für die Liebe. Und keine für den Tod. Niemand wußte, warum das Leben zu ertragen war - oder in welcher Illusion es am erträglichsten schien."
Ich mag es, wenn es AutorInnen gelingt ihre Figuren so zu beschreiben, dass ich in ihre Welt eintauchen kann, ihre Entscheidungen nachvollziehen kann und am Ende des Buches das Gefühl habe, etwas erfahren oder erlebt zu haben, obschon ich doch eigentlich "nur" gelesen habe.

Vergnügen hat mir außerdem die Sprache des Buches bereitet: klug, klar und manchmal auch bitterböse.
"Ein brilliantes, herzloses Arschloch. Frauen fallen ständig darauf herein, weil sie glauben, daß die Liebe Männer verändert. Tut sie aber nicht, sie verändert nur die Frauen, und die meistens zu ihrem Nachteil."
Das Ende des Buches ist überraschend, Gegenwart und Vergangenheit treffen aufeinander und plötzlich seint vieles klar zu sein. "Dame sticht Bube" ist definitiv mehr als ein spannender Thriller.

Inhalt:

"Dr. Eva Röhm ist dem Tod sehr nahe und hütet die Geheimnisse ihres Lebens. Eva liebt das Schweigen und die Lüge, auch wenn es bei ihrer Arbeit am rechtsmedizinischen Institut stets um das Finden von Wahrheit geht. Die Lüge hat sie ihr ganzes Leben begleitet. Angefangen hat alles in ihrer Kindheit und Jugend, die sie in einem österreichischen Kaff im Mief des Kleinbürgertums und der sexuellen Repression verbrachte, und endete im Scheitern ihrer Ehe und dem Verlust des Sorgerechts für ihr Kind. Doch kampflos ergibt sie sich ihrem Schicksal nicht. Von der Kunst des Lebens, der Vergeblichkeit der Liebe und Begegnungen mit dem Tod handelt dieser vielschichtige Roman."
 Quelle: http://www.edel.com/at/buch/details/christine-graen/dame-sticht-bube/

Über das Buch:


EAN Code  9783955301972
Label Edel Elements
ISBN  9783955301972

Das Buch ist derzeit nur als Ebook erhältlich.

















Donnerstag, 19. Januar 2017

Yotam Ottolenghi & Sami Tamimi - Jerusalem - Das Kochbuch


Warum es sich zu lesen (und vor allem daraus zu kochen) lohnt:

 

Auch ohne Kochbuch fällt mir immer etwas Leckeres ein, was ich kochen könnte und in der Regel schmeckt es auch. Sowohl mir, als auch denen, die von mir bekocht werden. Dennoch liebe ich die inspirierende Wirkung von Kochbüchern. Jerusalem gehört, neben dem auch schon auf dem Blog erwähnten "a modern way to eat" von Anna Jones, zu meinen Lieblingskochbüchern. Warum? Weil es mir völlig neue Geschmacksrichtungen eröffnet hat. 

Seit ich begonnen habe die Rezepte nachzukochen, befindet sich in meinem Gewürzschrank  beispielsweise Sumach (dadurch erhält der Spinatsalat mit Datteln und Mandeln einen unwiderstehlichen Geschmack), Berberitzen (die landen im Hähnchen mit karamelisierten Zwiebeln & Kardamomreis) und Piment (ich verspreche Euch: Damit schmeckt Blumenkohl einfach nur göttlich).

Ich mag die Gerichte besonders gerne im Winter weil sie durch die vielen Gewürze wärmen. Wer  also Lust auf orientalische Inspiration beim winterlichen Kochen hat, der sollte dringend die Rezepte aus diesem Buch ausprobieren. 

Übrigens: "Jerusalem" ist auch als Geschenk geeignet, weil es sich um ein besonders schön gestaltetes Kochbuch handelt.


Inhalt:

"Eine kulinarische und kulturelle Entdeckungsreise
Ein ganz besonderes Kochbuch, eine ganz besondere Begegnung: Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi, ein Israeli und ein Palästinenser, stellen uns mit diesem Buch die Küche ihres Heimatlandes vor. Jerusalem, religiöses Zentrum und Pilgerziel der drei großen Weltreligionen, hat schon immer Menschen aus aller Welt angezogen. Nicht nur kulturell, auch kulinarisch ist die Stadt ein Schmelztiegel. Die Melange aus den Küchen Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens sorgt für ein wahres Feuerwerk der Aromen.

Insgesamt 126 köstliche Rezepte spiegeln die Multikulturalität Jerusalems wider: Von Spinatsalat mit Datteln und Mandeln über Latkes bis zum Reispudding mit Rosenwasser gleicht jedes Gericht einer kulinarischen Entdeckungsreise. Die Autoren bieten eine vielfältige Sammlung aus traditionellen Gerichten und neuen Ideen, inspiriert durch charakteristische Zutaten aus ihrer Heimat. Interessante Specials zu typischen Speisen und Zutaten runden den Ausflug in den Orient ab.

Eindrucksvolle Bilder von Land und Leuten sowie kleine Alltagsgeschichten lassen ein authentisches Porträt der vielgestaltigen Metropole entstehen. Die stimmungsvolle Food-Fotografie, das geschmackvoll-elegante Layout und der Leineneinband machen das Buch zu einem kleinen Gesamtkunstwerk. Jerusalem sollte in keiner Kochbuchsammlung fehlen!"

Quelle: http://www.dorlingkindersley.de/titel-0-0/jerusalem-1883/ 

Über das Buch: 

 

320 Seiten
ca. 130 Farbfotografien
277 x 204 mm, gebunden in Leineneinband
ISBN 978-3-8310-2333-2
24,95€









 

Sonntag, 8. Januar 2017

Emma Cline - The Girls



Warum es sich zu lesen lohnt:


Die Story handelt von einer Hippiesekte Ende der 60er Jahre in Kalifornien (in Anlehnung an die Geschichte um Charles Manson) und hat mich nicht sonderlich in den Bann gezogen. Was mich das Buch dennoch zu Ende hat lesen lassen, sind Emma Clines Beschreibungen der Gedanken einer 14jährigen, die ohne Halt und Ziel durch ihr Leben irrt und schließlich nach einem Strohhalm greift, der sie beinahe zu einer Mörderin gemacht hätte.
„In diesem Alter war ich in allererster Linie etwas, dem ein Urteil bevorstand, und das verlagerte die Macht bei jeder Interaktion auf den jeweils anderen.“

„In diesem Alter fühlte sich Traurigkeit so wie eine angenehme Gefangenschaft an: Man schmollte und bäumte sich gegen die Fesseln der Eltern, Schule und Alter auf, die Dinge, die einen an dem sicheren Glück hinderten, das einen erwartete."
Hauptsächlich wird das Buch aus der Perspektive der 14jährigen Evie erzählt. Immer wieder kommt aber auch die erwachsene Evie zu Wort, die sich bis heute die Frage stellt: Wäre ich auch zur Mörderin geworden, wenn ich nicht durch Zufall vorher aus dem Auto gestiegen wäre? Hätte ich mitgemacht oder vielleicht sogar die anderen von dieser scheusslichen Tat abgehalten?

Das Buch wurde bei seiner Erscheinung im Sommer 2016 in nahezu allen Zeitungen besprochen und meist hochgelobt. Nachvollziehbar ist dies für mich in erster Linie dadurch, dass es Aufschluss darüber gibt, wie es passieren kann, dass junge Menschen, die auf der Suche nach Halt sind, in einer Sekte landen, die zunächst freie Liebe verspricht und schließlich seine Mitglieder zu Morden anstiftetet.

Mit Sicherheit ein durchaus aktuelles Thema, auch wenn es heute nicht mehr die Hippiesekten sind, die Jugendlichen das Gefühl vermitteln, gesehen zu werden und ihnen einen Platz in der Welt versprechen, in der sie sich so verloren fühlen. 

Inhalt:

"Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den „Girls“. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte."
Quelle: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/the-girls/978-3-446-25268-4/


Über das Buch:

 

Erscheinungsdatum: 25.07.2016
352 Seiten
Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-25268-4
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-25404-6